Wenn das Spiel zur Last wird: Ein Leitfaden für Angehörige von Spielsüchtigen

Die Realität der Spielsucht: Mehr als nur ein “schlechtes Hobby”

Bevor wir uns den Unterstützungsmöglichkeiten zuwenden, ist es wichtig zu verstehen, was Spielsucht wirklich bedeutet. Es ist keine Charakterschwäche oder mangelnde Willenskraft, sondern eine anerkannte Krankheit. Wie bei anderen Süchten auch, verändert das Glücksspiel die Gehirnchemie und führt zu einem zwanghaften Verlangen, das schwer zu kontrollieren ist.

Wie erkenne ich Spielsucht bei einem Angehörigen?

Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf eine Spielsucht hindeuten können. Achten Sie auf Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit des Betroffenen: * **Finanzielle Probleme:** Unerklärliche Geldnöte, das Borgen von Geld, das Verschwinden von Ersparnissen oder Wertgegenständen. * **Geheimhaltung und Lügen:** Der Betroffene wird geheimnisvoll, lügt über seine Aktivitäten oder verbringt viel Zeit allein. * **Vernachlässigung von Pflichten:** Arbeit, Schule, Familie und Hobbys treten in den Hintergrund. * **Stimmungsschwankungen:** Reizbarkeit, Angst, Depressionen oder plötzliche Stimmungsumschwünge, besonders nach dem Spielen. * **Zunehmende Spielzeit und -einsätze:** Der Betroffene muss immer mehr spielen oder höhere Einsätze tätigen, um den gewünschten “Kick” zu bekommen. * **Versuche, mit dem Spielen aufzuhören, die scheitern:** Trotz guter Vorsätze kann der Betroffene das Spielen nicht einstellen.

Die Auswirkungen auf Angehörige

Die Spielsucht eines geliebten Menschen kann für Sie als Angehöriger eine enorme Belastung darstellen: * **Finanzielle Belastung:** Schulden, die Sie mittragen müssen, oder der Verlust von Ersparnissen. * **Emotionale Belastung:** Scham, Wut, Angst, Trauer, Frustration und das Gefühl der Hilflosigkeit. * **Vertrauensverlust:** Lügen und Geheimnisse zerstören das Vertrauen in der Beziehung. * **Soziale Isolation:** Sie ziehen sich möglicherweise zurück, um die Situation zu verbergen. * **Gesundheitliche Probleme:** Stress und Sorgen können zu körperlichen Beschwerden führen.

Wege zur Unterstützung: Was Sie tun können

Es ist entscheidend zu verstehen, dass Sie nicht allein sind und es Wege gibt, sowohl dem Süchtigen als auch sich selbst zu helfen.

Sich selbst schützen und stärken

Bevor Sie anderen helfen können, müssen Sie auf sich selbst achten. Das ist keine Egoismus, sondern eine Notwendigkeit.

Informieren Sie sich

Wissen ist Macht. Je mehr Sie über Spielsucht verstehen, desto besser können Sie die Situation einschätzen und angemessen reagieren. Lesen Sie Bücher, Artikel, besuchen Sie Informationsveranstaltungen.

Suchen Sie Unterstützung für sich selbst

* **Selbsthilfegruppen für Angehörige:** Gruppen wie Al-Anon (obwohl primär für Alkoholismus, gibt es ähnliche Konzepte für andere Süchte) oder spezifische Gruppen für Angehörige von Spielsüchtigen bieten einen sicheren Raum, um Erfahrungen auszutauschen und Unterstützung zu finden. Sie lernen, dass Sie nicht allein sind und wie andere mit ähnlichen Situationen umgehen. * **Therapie und Beratung:** Ein Therapeut oder Berater kann Ihnen helfen, mit den emotionalen Belastungen umzugehen, Strategien zur Selbstfürsorge zu entwickeln und gesunde Grenzen zu setzen. * **Freunde und Familie:** Sprechen Sie mit vertrauenswürdigen Freunden oder Familienmitgliedern. Das Teilen Ihrer Last kann eine große Erleichterung sein.

Grenzen setzen

Dies ist einer der schwierigsten, aber wichtigsten Schritte. * **Finanzielle Grenzen:** Schützen Sie Ihre Finanzen. Geben Sie kein Geld mehr, um Spielschulden zu begleichen, und übernehmen Sie keine Bürgschaften. Das mag hart klingen, aber es ist notwendig, um den Teufelskreis zu durchbrechen und zu verhindern, dass Sie selbst in den Ruin getrieben werden. * **Emotionale Grenzen:** Lassen Sie sich nicht von den Launen oder Manipulationen des Süchtigen vereinnahmen. Es ist nicht Ihre Aufgabe, ihn zu “retten”. * **Konsequenzen aufzeigen:** Machen Sie deutlich, welche Konsequenzen das Spielverhalten für die Beziehung oder das Zusammenleben hat, und halten Sie diese Konsequenzen auch ein.

Dem Süchtigen helfen, Hilfe anzunehmen

Es ist wichtig zu verstehen, dass Sie niemanden zwingen können, Hilfe anzunehmen. Der Wunsch nach Veränderung muss vom Betroffenen selbst kommen. Sie können jedoch den Weg ebnen und Unterstützung anbieten.

Offene und ehrliche Kommunikation

Sprechen Sie mit dem Betroffenen in einem ruhigen Moment über Ihre Sorgen. Vermeiden Sie Vorwürfe und Schuldzuweisungen. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Gefühle und die Auswirkungen des Spielens auf Sie und die Familie. * **”Ich-Botschaften”:** Sagen Sie “Ich mache mir Sorgen um dich und unsere Zukunft” statt “Du ruinierst alles mit deinem Spielen”. * **Konkrete Beispiele:** Nennen Sie spezifische Situationen, in denen das Spielverhalten problematisch war.

Professionelle Hilfe vorschlagen und begleiten

* **Beratungsstellen:** Schlagen Sie den Besuch einer Suchtberatungsstelle vor. Dort können sich Betroffene und Angehörige kostenlos und vertraulich beraten lassen. Oftmals gibt es auch spezifische Angebote für Glücksspielsucht. * **Therapie:** Eine Psychotherapie, insbesondere eine kognitive Verhaltenstherapie, kann sehr effektiv sein. * **Selbsthilfegruppen für Spielsüchtige:** Gruppen wie die Anonymen Spieler (Gamblers Anonymous) bieten einen geschützten Raum für Betroffene, um sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.

Keine Ermöglichung des Spielens (No Enabling)

Das bedeutet, keine Handlungen zu unternehmen, die das Spielverhalten indirekt unterstützen. * **Keine finanziellen Mittel bereitstellen:** Auch wenn es schwerfällt, zahlen Sie keine Schulden, geben Sie kein Taschengeld, das für das Spielen verwendet werden könnte. * **Keine Ausreden finden:** Decken Sie den Süchtigen nicht bei der Arbeit oder vor anderen Familienmitgliedern. * **Konsequenzen nicht abwenden:** Lassen Sie den Süchtigen die Konsequenzen seines Handelns spüren. Das ist oft der schmerzhafteste, aber auch der wirkungsvollste Weg, um eine Verhaltensänderung anzustoßen.

Fazit: Ein langer Weg, der sich lohnt